Aus dem Leben unserer Schießstände

Montag, 15. März 2021

Berichts-Kategorie: Bruderschaften
Bruderschaft: St. Sebastianus-Bruderschaft Angermund 1511 e.V.
eingesendet von: (Verfasser) Peter Ahlmann und Wolfgang Stecher

(ein Bericht über die Arbeit und Erfah­run­gen mit Behör­den, Ver­wal­tun­gen und…)

Im Novem­ber 2017 ereil­te uns eine sie­ben­sei­ti­ge Mel­dung des Poli­zei­prä­si­di­ums, dass unse­re Schieß­stän­de – ein­schließ­lich Hoch­schieß­stand – zwar all­ge­mein in einem gepfleg­ten Zustand sei­en, aber nicht den „sicher­heits­tech­ni­schen Anfor­de­run­gen der Richt­li­ni­en für die Errich­tung, die Abnah­me und das Betrei­ben von Schieß­stän­den (Schieß­stand­richt­li­ni­en) des Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern vom 23.Juli 2012“ ent­sprä­chen und daher der gesam­te Schieß­be­trieb umge­hend ein­zu­stel­len sei. Welch hohen Zeit‑, Arbeits- und Kos­ten­auf­wand die­ses Schrei­ben aus­lö­sen soll­te, ahn­ten wir zu die­ser Zeit noch nicht. Erfreu­ten wir uns doch gera­de erst an der Reno­vie­rung des Schüt­zen­hau­ses, die nur Dank zahl­rei­cher Spen­der und umfang­rei­cher Eigen­leis­tung zu stem­men gewe­sen war.

Zügig bemüh­ten wir uns um die Ein­ho­lung der Gut­ach­ten, da ja zumin­dest der Hoch­schieß­stand bis zum Schüt­zen­fest 2018 wie­der frei­ge­ge­ben wer­den muss­te. Zwar lagen die Gut­ach­ten schon Anfang Febru­ar 2018 vor, aber mit den Arbei­ten konn­ten wir erst Ende März begin­nen, weil noch eine Rei­he tech­ni­scher Fra­gen mit dem Gut­ach­ter geklärt wer­den muss­ten. Da der Elek­tro­ket­ten­zug in der Ver­gan­gen­heit nie einer UVV Prü­fung unter­zo­gen wur­de und es auch kein Prüf­buch gab, such­ten wir zunächst eine Fir­ma, die zur Abnah­me die­ser Über­prü­fung berech­tigt ist. Am 16.06.2018 wur­de dann end­lich die­se Prü­fung durch­ge­führt, die nun in Zukunft jähr­lich statt­fin­den muss. Jetzt blie­ben uns noch gut zwei Mona­te um die Restau­rie­rungs­ar­bei­ten durch­zu­füh­ren. Bei der Über­prü­fung der Innen­aus­klei­dung des Geschoss­fan­ges erleb­ten wir eine böse Über­ra­schung: Sei­ne gesam­te Unter­kon­struk­ti­on war durch Undich­tig­kei­ten in der Außen­haut zu 80% ver­fault und muss­te kom­plett ersetzt wer­den. Unter der Feder­füh­rung unse­res Ober­b­ras­se­lers wur­de der Hoch­schieß­stand nach den Vor­ga­ben mit Unter­stüt­zung eini­ger Bras­se­ler bei zeit­wei­se tro­pi­schen Tem­pe­ra­tu­ren in Eigen­re­gie bis Ende Juli 2018 reno­viert. Spen­den und einer finan­zi­el­le Sprit­ze der Bezirks­ver­tre­tung 05 stütz­ten die Instandsetzung.

Die Gefahr, dass Per­so­nen, die  wäh­rend des Schie­ßens hin­ter dem Schieß­stand in einer Höhe von 7 m auf einem Baum sit­zen, getrof­fen wer­den könn­ten, ist nun gebannt, da der Kugel­fang auch aus­ge­pols­tert wer­den muss­te. Hier­bei durf­ten (zufäl­lig auch öko­lo­gisch kor­rekt) nur Natur­fa­sern wie Wol­le und Baum­wol­le zwecks bes­se­rer ‚Kuge­lauf­fang­wir­kung‚  ver­wen­det wer­den. Ein Weh­muts­trop­fen gibt es lei­der doch: Die schö­ne gro­ße Über­da­chung am Schieß­stand darf wäh­rend des Schie­ßens nicht mehr von Zuschau­ern genutzt wer­den. Wel­chen Gefah­ren man bei die­sem Ver­bot vor­beu­gen will, ist uns schlei­er­haft. Dass ein Schüt­ze mit dem Gewehr in der Hand nach hin­ten umfällt, ist unmög­lich, da die­ses immer vom Schieß­meis­ter vor Beginn des Schie­ßens in einer Ein­spann­vor­rich­tung befes­tigt wird.

Da wir die For­de­run­gen des Gut­ach­ters strikt ein­hiel­ten und jeder Arbeits­schritt mit Bild­ma­te­ri­al doku­men­tiert war, nahm die zustän­di­ge Poli­zei­be­hör­de den Hoch­schieß­stand am 02.08.2018 ohne Bean­stan­dun­gen ab. Nun konn­te Schüt­zen­fest gefei­ert werden.

  • Das 1. Werk war vollbracht.

Zeit­gleich lie­fen die Vor­be­rei­tun­gen zur Reno­vie­rung des Luft­ge­wehr- und  Klein­ka­li­ber­schieß­stan­des (DL und KK Stände).

Nach­dem im DL-Bereich zahl­rei­che Fra­gen über die ein­zu­set­zen­den Mate­ria­li­en mit dem Gut­ach­ter geklärt waren, konn­ten wir  am 30.04.2018 den Antrag auf Son­der­zu­schuss durch die Stadt Düs­sel­dorf for­mu­lie­ren, den wir dann umge­hend per­sön­lich beim Sport­amt abgab. Nun muss­ten wir uns in Geduld üben. Nach unzäh­li­gen Nach­fra­gen per Tele­fon und einer wei­te­ren schrift­li­chen Anfra­ge wur­de uns schließ­lich der Ein­gang des Antrags am 27.03.2019 bestä­tigt und am 04.09.2019 end­lich der Bewil­li­gungs­be­scheid zuge­schickt. Ohne eine schrift­li­che Bewil­li­gung durf­ten wir nicht mit den Abriss­ar­bei­ten begin­nen, um even­tu­el­le Schä­den zwecks Kos­ten­er­mitt­lung frei­zu­le­gen, dann wäre die Aus­sicht auf Bezu­schus­sung zunich­te gewe­sen. Die Kat­ze biss sich also in den Schwanz: Kos­ten­vor­anschlä­ge muss­ten für den Zuschuss ein­ge­reicht wer­den, aber das Aus­maß der Reno­vie­rungs­ar­bei­ten konn­ten wir uns nicht genau anschau­en. Wir konn­ten nur die Glas­ku­gel zu Rate zie­hen, mit deren Hil­fe wir die Kos­ten im Rah­men zu hal­ten versuchten.

Die Ver­klei­dung der Sei­ten­wän­de mit einem zuge­las­se­nen Schall­schutz wur­den von einer Fir­ma und die Repa­ra­tur der drei Blen­den in Eigen­leis­tung durch­ge­führt. Auch die­ses Mal blie­ben wir nicht von einer Über­ra­schung ver­schont: Bei der Öff­nung der alten Ver­klei­dung an der fahr­ba­ren hin­te­ren Blen­de stell­ten wir fest, ihr inne­rer Bereich war kom­plett ver­fault. Daher muss­ten wir sie bis auf den Rah­men neu aufbauen.

Am 09.10.2019 nahm die Poli­zei­be­hör­de den DL-Stand mit Bean­stan­dung von zwei klei­nen Män­geln ab. Der Schieß­be­trieb durf­te aber erst nach ihrer Behe­bung, einer wei­te­ren Doku­men­ta­ti­on und einer erneu­ten Ein­rei­chung bei der Poli­zei­be­hör­de wie­der auf­ge­nom­men wer­den. Mit der Abga­be der ers­ten Schüs­se auf dem reno­vier­ten DL-Stand wur­de er wie­der sei­ner Bestim­mung übergeben.

  • Das 2. Werk war mit 374 Stun­den Eigen­leis­tung vollbracht.

Jetzt konn­te das 3. Werk, der KK-Stand, in Angriff genom­men wer­den. Am 07.01.2020 began­nen wir mit dem Aus­hub des San­des in der Schieß­bahn und im Geschoss­fang. Um die Unter­hal­tungs­kos­ten und den Pfle­ge­auf­wand in Zukunft in Gren­zen zu hal­ten, ent­schie­den wir uns für ein neu­es Sys­tem mit Gra­nu­lat. Aus die­sem Grund muss­te der Sand im Geschoss­fang bis zur Soh­le ent­fernt wer­den. Um die­se Arbeit mit gro­ßem Gerät durch­füh­ren zu kön­nen, bra­chen wir ein Loch in die Außen­mau­er, durch das dann 176,8 Ton­nen Sand ent­sorgt wur­den. Die­se Arbeit war am 12.02.2020 abge­schlos­sen. Anschlie­ßend wur­den die Leim­bin­der saniert. Par­al­lel dazu ent­fern­ten und erneu­er­ten wir in Eigen­leis­tung die Ver­klei­dung an den Mau­er­vor­sprün­gen, ver­leg­ten neue Elek­tro- und Was­ser­lei­tun­gen und sanier­ten den hin­te­ren Betonbinder.

Vor eini­ge Her­aus­for­de­run­gen stell­te uns die Sanie­rung des Geschoss­fangs. Da sei­ne Rück­wand mit 3 mm Blech ver­klei­det wer­den muss­te, stell­te sich die Fra­ge des Schall­schut­zes. Gemein­sam mit unse­rem neu­en Gut­ach­ter fan­den wir fol­gen­de Lösung: Wir bekleb­ten die Rück­sei­te der Ble­che mit 4 mm Kork, die Zwi­schen­räu­me der Unter­kon­struk­ti­on sowie die Dach­bal­ken klei­de­ten wir mit Stein­wol­le aus und ver­klei­de­ten dann den kom­plet­ten Geschoss­fang mit Schall­schutz­plat­ten. Die­se Arbeit war am 01.09.20 abgeschlossen.

Loch für Loch wird ver­schlos­sen. Tol­le Arbeit!

Aber schon am 02.06.20 hat­ten wir ein Schrei­ben von der Poli­zei­be­hör­de erhal­ten, dass uns ganz beson­ders erfreu­te. Wir beka­men die Auf­la­ge, alle 10500 Löcher der Kalk-Sand­stein­mau­er im ers­ten Feld der KK-Geschoss­bahn zu verschließen.

Mit die­ser hoch­in­ter­es­san­ten Arbeit beschäf­tig­ten wir uns vom 06.10. – 21.10.20. Anschlie­ßend konn­ten die drei Betei­lig­ten kei­ne Löcher mehr sehen. Außer­dem muss­ten noch alle Kie­sel­stei­ne aus der Schieß­bahn ent­fernt wer­den, bevor sie mit neu­em Sand gefüllt wur­de. Mit Groß­ge­rät wur­de die Schieß­bahn vom 05.11. – 06.11.20 mit neu­em Sand gefüllt, anschlie­ßend mau­er­ten wir das gro­ße Loch in der Außen­wand zu.

Nach der kom­plet­ten Über­ho­lung der Schei­ben­zug­an­la­ge wur­de am 28.11.20 der Beschuss der neu­en Geschoss­fang­käs­ten durch den Gut­ach­ter durch­ge­führt. Nach erfolg­rei­chem Beschuss konn­ten wir die neu­en Käs­ten mon­tie­ren und die Sei­le span­nen. Jetzt war­ten wir nur noch mit Span­nung und ver­hal­te­nem Opti­mis­mus auf die Abnah­me des KK-Schieß­stan­des durch die Polizeibehörde.

Denn eines haben wir ja zwi­schen­zeit­lich gelernt: Wer glaubt, alles gut geplant, alle Auf­la­gen des Gut­ach­ters erfüllt und doku­men­tiert zu haben, kann bei der Abnah­me eines Bes­se­ren belehrt wer­den. Mit einem Mal wer­den Sachen durch die Behör­de bemän­gelt, die der Gut­ach­ter nicht bemän­gelt hat.

         Alles kann und muss man nicht verstehen.

Nach Abschluss der Arbei­ten kom­men wir auf ca. 650 Stun­den Eigen­leis­tung, ohne die Berech­nung der Stun­den für Pla­nung, Mate­ri­al­be­schaf­fung und Dokumentation.

Als Mit­tel gegen Lan­ge­wei­le wer­den wir im nächs­ten Früh­jahr die kom­plet­te Mau­er im Schieß­bahn­be­reich neu streichen.

Alle Löcher zu! Wir haben fer­tig! Wer kommt zum Anstreichen???

 

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